Adventgemeinde Lahr

Soldat Michael siegt

(Michael ist der himmlische Name für Jesus) Der Text, der dieser Abhandlung zugrunde liegt, steht in der Bibel im Buch der Offenbarung Kapitel 12. Dort wird ab Vers 7 von einem Krieg im Himmel geschrieben:

„Und es entbrannte ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel, und sie siegten nicht und ihre Stätte wurde nicht mehr gefunden im Himmel. Und es wurde hinausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt: Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt, und er wurde auf die Erde geworfen, und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen. Und ich hörte eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes geworden und die Macht seines Christus; denn der Verkläger unserer Brüder ist verworfen, der sie verklagte Tag und Nacht vor unserm Gott. Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebt bis hin zum Tod“.

Krieg im Himmel? Wirklich? Jesus als Soldat? Wie ist das zu verstehen? Unter Krieg verstehen wir gewöhnlich einen Machtkampf zwischen zwei annähernd gleich starken Gegnern. Der eine holt zum Angriff aus, der andere verteidigt seine Position. Sie kämpfen auf der gleichen Ebene (Schlachtfeld). Wo finden wir in der Bibel, eine Situation

 in der Jesus sich so verhält, wenn er angegriffen wird? Er würde seinen eigenen Anweisungen widersprechen: „Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar“ (Matth. 5,39).

Wer Offenb.12, 7 aufmerksam liest, der stellt fest, dass die Formulierung des Streitens zwei Mal gebraucht wird. „ Michael stritt“ und der „Drache stritt“. Das bedeutet, dass es in Wirklichkeit zwei Kämpfe sind; oder noch besser ein Kampf auf zwei Ebenen. Satan kämpft um Macht (Lies Jes.14,12. „Wie bist du vom Himmel gefallen du schöner Morgenstern...“ Hier wird beschrieben, wie Luzifer, der Engel des Lichts, seinen Machtgelüsten freien Lauf lässt und sich auf den Thron Jesu setzen will. Bildlich gesprochen schleicht er sich von hinten heran, um Jesus von dem Thron zu boxen. Jedoch kein Geschöpf kann Jesus, dem Schöpfer, wirklich zur Gefahr werden. Er hat es nicht nötig sich zu verteidigen. Würde Jesus sich auf die Ebene des Machtkampfes begeben haben, hätte er sich umdrehen– um in dem Bild zu bleiben – und dem Angreifer einen derartigen Hieb versetzen müssen, dass er auf der Stelle tot umfällt. Jesus hätte die Macht, doch dann würden alle anderen Geschöpfe für immer im Zweifel bleiben, ob der gewaltige Erzengel Luzifer, der dem Thron Gottes als nächster nach Jesus am nächsten war, nicht doch Recht gehabt hätte.

Für Jesus hatte diese Agitation jedoch eine ganz andere Bedeutung. Es ging in diesem (wie in jedem anderen Konflikt) nicht wirklich um Macht, sondern im tiefsten Sinne um Gerechtigkeit. Obwohl der Drache (Luzifer) der Angreifer ist, wird Michael (Jesus) sein Kampf zu erst genannt. Das hat seinen Grund. Noch ehe ein Angreifer zum Schlag ausholt, hat er sich in seinen Gedanken und in seinem Herzen bereits entschieden zu kämpfen. Bereits zu diesem Zeitpunkt hat der Kampf um die Gerechtigkeit begonnen – Jesu Kampf! Ja Jesus kämpft um die Gerechtigkeit, nicht um Macht! Der alte Drache, ehemals Luzifer, kann aber auf dieser Ebene nicht kämpfen. Das ist der Unterschied der zwei Fronten. Wer um Macht kämpft, braucht ein Gegenüber, sonst schlägt er in die Luft; ohne Gegenüber kann niemand einen Machtkampf gewinnen. „Und siegten nicht“, heißt es in Vers 8. Damit war der Machtkampf vorerst entschieden; er siegte nicht, heißt aber nicht notwendigerweise, dass er verurteilt ist. Seine Verurteilung bekommt er erst, wenn die Gerechtigkeit gesiegt hat; bis dahin ist noch alles offen. Zur Zeit Hiob hatte Satan noch Zugang zum Himmel als Verkläger der Brüder (Hiob 1,6; 2,1). Zur Zeit des Johannes nicht mehr (Offenb. 12, 8). Der Kreuzestod Jesu war der entscheidende Moment. Gott selbst lässt sein Leben – das Leben seines Sohnes! Das ist der Kampf um Gerechtigkeit. Das ist kein Kampf gegen ein anders Wesen, sondern gegen das eigene Ich. Dieser Kampf ist mit Opfern verbunden, aber mit Opfern, die Sieg bringen: Jesus hat sich unter die gemeinsten Sünder – seine Mörder – gedemütigt, aber sein Vater hat ihn am höchsten erhöht.

Am Kreuz von Golgatha hat die Gerechtigkeit gesiegt. Nun sahen alle Engel, dass Satan mit seinen Anschuldigungen nicht recht hatte, und keiner von ihnen wollte ihn mehr in der heiligen Gegenwart des Himmels haben. Er war auf die Erde geworfen. Warum auf die Erde? Weil er hier Geschöpfe für seine Ungerechtigkeiten gewinnen konnte. Mit welcher Reaktion müssen wir rechnen, wenn ein Mensch ungerecht behandelt wird: gemobbt, übervorteilt, beleidigt, denunziert oder verlästert? Er wird zurückschlagen, sich verteidigen. Das ist die Ebene des Machtkampfes! Da gibt es einen Sieger, und unweigerlich auch einen Verlierer. Und schon hat der Verkläger unserer Brüder sein Machtterritorium verbreitert! Jesu Jünger dagegen eifern dem Vorbild ihres Herrn nach, sie kämpfen nicht um Macht, sie kämpfen um Gerechtigkeit. Sie sind eher bereit, Nachteile, wie schlechten Ruf, finanziellen Schaden oder andere Opfer in kauf zu nehmen, als Verkläger der Brüder zu werden. Die Bereitschaft in kauf zu nehmen heißt ja nicht zwangsläufig sie zu erleiden, denn Gott wird seine Versprechen an denen erfüllen, die ihm vertrauen; er kann sie trotz allem Anschein vor solchen Folgen bewahren.

Da sind beispielsweise zwei Berufskollegen, die solch ein Mobbing an einem weiteren Kollegen beobachten, der ein Jünger Jesus ist und sich nicht mobben lässt, sondern liebevoll bleibt. Die beiden ziehen den Hut ab vor ihm, nehmen Stellung für ihn ein und schützen ihn. Schließlich fragen sie ihn, wie er das verkraftet, so misshandelt zu werden ohne zurückzuschlagen. Und schon ist er ein Missionar für seinen Herrn. So hat ihn Jesus verteidigt, ihm Recht geschafft und gesegnet. So ist er zum ‚Überwinder durch des Lammes Blut’ (Vs.11) geworden. Wenn es mehr von solchen Nachahmern Jesu in unserer Welt gäbe, gäbe es bedeutend weniger Konflikte, Kriege und Terror. Besiege deine Feinde indem du sie gewinnst! Probiere es einmal aus. Es hat noch nie jemand bereut, Gott treu zu sein.