Adventgemeinde Lahr

Mit dem habe ich aber deutsch geredet!

Möglicher Weise kennt nicht jeder diese Redewendung; sie besagt: Ich habe mir den Mut genommen (und darauf bin ich auch stolz), dem meine Meinung ganz unverblümt und verletzlich zu sagen.

Was bringt dieser Mut? – Etwas Stolz. OK. Und was noch? Verbesserung der Beziehung? Mehr gesellschaftliche Akzeptanz? Freude? Friede? Nicht im geringsten, im Gegenteil, das sind Opfer, die mein Stolz nicht rechtfertigen, sondern mir selbst nachteilig werden! Nicht einmal der Stolz befriedigt wirklich nach all den Auswirkungen. Aber ich wollte mich nicht unterkriegen lassen, ich bin doch auch jemand, ich wollte mein Ansehen schonen, ich muss mir doch nicht alles gefallen lassen – wo kämen wir da sonst hin.

Könnte es sein, dass  unsere Gesellschaft unter diesem Verhaltensmuster ziemlich massiv leidet? Jeder sieht sich genötigt, sich durchzusetzen, um nicht unter den Tisch gekehrt zu werden. Doch das kann nicht die Lösung des Problems sein, denn man sollte sich stets so verhalten, dass, wenn alle sich so verhalten, es dem geselligen Miteinander förderlich ist.

Spielen wir einmal so eine Szene.

Da sagt dein Gegenüber: „Du hundsgemeiner Kerl, ich könnte dir jetzt gerade eine vor den Latz hauen!“ Wie würdest du darauf reagieren? ‚Normalerweise’ so: „Was sagst du?! - Na warte, das lasse ich mir nicht gefallen, du bist ein...!“

 

Mit dieser Reaktion ist die Beziehung auch schon ‚im Eimer’. Damit hat dein Gegenüber aber auch gerechnet. Wer von beiden hat nun einen Gewinn; mehr Freude, Frieden? Keiner! Missmutig geht man auseinander.

Wie anders würde aber die Szene ablaufen, wenn du darauf folgend reagierst:  „Oh, es tut mir leid, dass du dich mit einem hundsgemeinen Kerl rumplagen musst. Kann ich dir irgendwie behilflich sein, dass du dich wieder freuen kannst?“

Mit solch einer Reaktion hätte er sicher nicht gerechnet. Er wird überrascht sein; es wird ihn zum Nachdenken anregen: „Hää, hab ich mich wirklich so danebenbenommen? Er hat das vielleicht anders gemeint, als ich es verstanden habe. Ich sollte mich vielleicht entschuldigen.“

Das Prinzip in der ersten Szene: Es steht Anschuldigung gegen Anschuldigung. Aber die Bibel lehrt: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt.“ (1.Ptr.3,9)

Die Szene sowohl als auch der Bibeltext besagt, dass das, was wie eine Erniedrigung anmutet, in Wirklichkeit das Ansehen hebt. Und das Verhalten, sich selbst zu erhöhen, in Wirklichkeit eine Erniedrigung bewirkt.

Das Prinzip der zweiten Szene: Hier folgt auf eine Anschuldigung eine Frage. ‚Kann ich dir behilflich sein?’ Anschuldigungen verletzen immer, Fragen nie!

Wenn mich einer ärgert – ärgert er mich wirklich? oder kann es sein, dass ich mich über ihn ärgere? Da ist ein großer Unterschied. Wenn der Gegenüber mich wirklich ärgert, dann handelt er böswillig (das gibt es natürlich auch!), aber wenn ich mich über den anderen ärgere, dann kann er nichts dafür, das ist dann mein Problem – damit muss ich mir ins Reine kommen nicht mit dem Anderen.

Wie anders könnte unsere gesellschaftliche Struktur beschaffen sein, wenn alle das zweite Prinzip anwenden würden und Fragen stellen, anstatt zurückbellen!

Das heißt nicht, dass du deine Gefühle verstecken musst – das wäre psychologisch schädlich. Sage ganz offen, wie du dich auf den Angriff deines Gegenübers fühlst. Aber sage nicht: „Du hast...“, sondern sage: „Ich fühle mich angegriffen, wie muss ich das richtig verstehen, was du gesagt hast?“ Diese Verhalten erfordert Umdenken und kostet Überwinden, aber es wird einem selbst innere Ruhe und Frieden bescheren, auf die man nicht gerne verzichten möchte. Probiere es einfach einmal aus, Probieren geht über Studieren!