Adventgemeinde Lahr

Der verlorene Silberling

Folgendes Zitat baut auf den biblischen Text aus Lukas 15,8ff auf.

"Der Groschen ging im Hause verloren. Er war ganz in der Nähe, konnte aber dennoch nur durch fleißiges Suchen gefunden werden. {CGl 191.2; COL.194.1}
In dem Gleichnis liegt eine Lehre für Familien. Oft herrscht in einem Haushalt große Gleichgültigkeit mit Bezug auf das Seelenheil der verschiedenen Familienglieder. Es mag unter ihrer Zahl eins sein, das Gott entfremdet ist, und doch wie wenig Besorgnis wird in der Familie gehegt, damit nicht eins der ihr von Gott Anvertrauten verloren gehe.

Der Groschen, selbst wenn er unter Staub und Unrat liegt, ist immer noch ein Stück Silber. Sein Eigentümer sucht ihn seines Wertes wegen. So ist auch eine jede Seele, gleichviel wie entartet sie durch die Sünde auch sein mag, in den Augen Gottes köstlich erachtet. Wie der Groschen das Bild und die Inschrift der regierenden Macht trägt, so trug der Mensch, als er geschaffen wurde, das Bild und die Inschrift Gottes; und obgleich die Seele jetzt durch den Einfluß der Sünde entstellt und unkenntlich geworden ist,

sind dennoch die Spuren dieser Inschrift bei jeder einzelnen vorhanden. Gott wünscht diese Seele zu erretten und ihr sein eigenes Ebenbild in Gerechtigkeit und Heiligkeit neu aufzuprägen.

 

Das Weib im Gleichnis sucht fleißig nach dem verlorenen Groschen. Sie zündet das Licht an und kehrt das Haus. Sie entfernt alles, was ihr beim Suchen hinderlich ist. Obgleich nur ein Groschen verloren ist, will sie doch ihre Anstrengungen nicht aufgeben, bis sie denselben gefunden hat. So sollen auch in der Familie, wenn ein Glied sich von Gott abgewandt hat, alle nur möglichen Mittel angewandt werden, um es wieder zurückzubringen. Alle anderen sollten eine ernste, sorgfältige Selbstprüfung vornehmen, ihre Lebensgewohnheiten untersuchen, und forschen, ob nicht irgend ein Fehler, ein Irrtum in denselben begangen ist, wodurch jene Seele in ihrer Unbußfertigkeit gestärkt wurde.

Wenn in der Familie ein Kind ist, welches sich seines sündigen Zustandes nicht bewußt ist, so sollten die Eltern nicht ruhen. Zündet das Licht an! Durchforscht das Wort Gottes und laßt im Lichte desselbigen alles, was im Hause ist, aufs fleißigste durchsucht werden, um zu sehen, warum dies Kind verloren geht. Eltern sollten ihre eigenen Herzen erforschen und ihre Gewohnheiten und Gebräuche einer genauen Prüfung unterziehen. Kinder sind das Erbteil des Herrn, und wir müssen ihm Rechenschaft darüber ablegen, wie wir sein Eigentum verwalten.

Es gibt Väter und Mütter, die darnach verlangen, in irgend einem auswärtigen Missionsfelde zu wirken; es gibt viele die außerhalb der Familie in christlichen Werken tätig sind, während ihre eigenen Kinder den Heiland und seine Liebe nicht kennen. Viele Eltern überlassen es dem Prediger oder Sabbatschullehrer, ihre Kinder für Christum zu gewinnen; aber indem sie das tun, vernachlässigen sie das ihnen von Gott auferlegte Amt. Die Erziehung und Heranbildung der Kinder zu Christen ist der höchste Dienst, den Eltern Gott leisten können. Es ist eine Aufgabe, welche geduldiges Wirken und lebenslängliches, fleißiges und andauerndes Streben erfordert. Durch Vernachlässigung dieser uns anvertrauten Aufgabe erweisen wir uns als ungetreue Haushalter, und Gott wird keine Entschuldigung für solche Vernachlässigung annehmen.

Doch brauchen die, welche sich eine Vernachlässigung dieser Art haben zu schulden kommen lassen, nicht zu verzweifeln. Das Weib, dessen Groschen verloren war, suchte bis es ihn fand. So sollen auch die Eltern in Liebe, Glauben und Gebet für ihre Familien wirken, bis sie mit Freuden vor Gott kommen und sagen können: „Siehe, hier bin ich und die Kinder, die mir der Herr gegeben hat.“ Jesaja 8,18

Dies ist wahre Missionsarbeit im Familienkreise, und sie nützt denen, die sie tun, gerade soviel, als denen, für die sie geschieht. Durch treues Wirken im Familienkreise werden wir geschickt, für die Glieder der Familie Gottes zu wirken, mit denen wir, wenn wir Christo treu bleiben, die ganze Ewigkeit hindurch zusammen leben werden. Wir sollen für unsere Brüder und Schwestern in Christo dieselbe Teilnahme zeigen, wie wir als Glieder einer Familie für einander haben.

E. G. White in Christi Gleichnisse S.146/147;  Bilder vom Reich S. 191/192